Eine Bachelorarbeit schreiben – die wichtigsten Schritte

Das Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit ist für Studierende eine Herausforderung. Dies umso mehr, wenn das Studium nicht übermäßig viele Gelegenheiten bot, notwendige Techniken zu erlernen und einzuüben. Je nach Studienfach und -richtung kann sich das erheblich unterscheiden – ebenso wie die Art der Arbeit. In manchen Fächern werden Themen vorgeschlagen oder von den Dozent*innen oder dem Institut gestellt; in anderen müssen Studierende selbst ein Thema finden. Eine Abschlussarbeit zu schreiben, ist ein Prozess, der gut geplant und strukturiert sein will.

 

Art der Arbeit – Themenfindung – Betreuung

Empirische Arbeit (Datenerhebung, qualitative oder quantitative Inhaltsanalyse), Forschungs­bericht, Literatur- oder Theoriearbeit … die Optionen sind zahlreich – je nach Studienfach und Forschungsrichtung mehr oder weniger. Unabdingbar ist das persönliche Interesse am Thema – ist doch die Vorstellung, sich durch das Schreiben der Abschlussarbeit quälen zu müssen, mehr als unan­genehm ("Durststrecken" wird es ohnehin geben). Ebenso wichtig ist es, eine*n engagierte*n Betreuer*in zu finden, mit dem*der die Chemie stimmt und die*den man alles fragen kann. Erfahrungsgemäß erledigen sich aber viele Unsicherheiten im Prozess auch wieder von allein. Hier kann die Vernetzung mit der Peergroup von großem Vorteil sein: Oft können Kommi­liton*innen bei klei­neren Fragen weiterhelfen. In den sozialen Medien sind außerdem die ver­­schie­densten Gruppen und Seiten zu finden, über die bspw. Studierende einer Fachrichtung bundesweit vernetzt sind.

Die Eingrenzung des Themas sollte nicht zu eng, aber auch nicht zu weit gefasst sein. In der Regel darf der geplante Titel der Arbeit nach Einreichung des Themas nicht mehr geändert werden, daher empfiehlt es sich, rechtzeitig loszulegen.

 

Gliederung und Planung

Die Gliederung sollte logisch und stringent aufeinander aufbauen und nicht zu kleinschrittig sein. Sie dient als Gerüst zur sukzessiven Bearbeitung der Fragestellung. Gut möglich, dass der ein oder andere seine Gliederung noch umstellen oder ergänzen (möchte). Hierfür sollte man sich regelmäßig mit seinem Betreuer/seiner Betreuerin besprechen.

 

Literaturrecherche

Auch die Literatursuche will gelernt sein. In der Regel sollte es zu Anfang des Studiums eine Ein­führung (ge)geben (haben), die über die Grundlagen informiert, etwa wie die Universitäts- und Institutsbibliothek(en) aufgebaut sind und wie ihre Suchsysteme und Datenbanken funktionieren.

Zunächst sollten sich die Studierenden einen Überblick über die aktuelle Forschungslage verschaffen; dabei können ältere Beiträge ebenso wichtig sein wie die aktuell(st)e Fach- und Forschungsliteratur.

Ein erster Schritt sollte die Schlagwortsuche in der universitätseigenen Bibliothek und den Fach- und Institutsbibliotheken sein. Noch lange ist nicht jedes Archiv komplett digitalisiert; gut möglich, dass man sich zum Teil noch mit den althergebrachten und traditionellen Karteikarten-Systemen auseinandersetzen muss. Für weniger geläufige Fachliteratur kann auch die Fernleihe dienlich sein. Andererseits werden mittlerweile häufig Publikationen (nur noch) als E-Book digital zur Verfügung gestellt, die dann über das jeweilige Uni-Netz (mittels VPN-Client) einsehbar sind.

Ein nächster Schritt kann die Schlagwortsuche in den einschlägigen Internet-Suchmaschinen sein; hier kann sich etwa neueste Fachliteratur finden lassen, die in der Universitätsbibliothek noch nicht verfügbar ist. Bei vielen Uni-Bibliotheken können auch Anschaffungsvorschläge eingereicht werden.

Für Studierende, die in entsprechenden Gruppen auf den sozialen Medien vernetzt sind, könnte auch hier die Frage nach Erfahrungen von Leidensgenoss*innen lohnenswert sein.

Zentral für die Literaturrecherche ist das Schneeballsystem: Gestartet wird etwa mit einem Über­blicksartikel über die aktuelle Forschungslage oder aktuelle Diskurse in einer Disziplin. Hier kann man in den Fußnoten wie im Literaturverzeichnis auf weiterführende Autor*innen und Werke stoßen, in denen wiederum neue Literaturhinweise zu finden sind, und immer so weiter.

 

Und los! Das Schreiben – ein Prozess

Jeder sollte einfach anfangen zu schreiben. Viele werden ihre Ausführungen immer wieder lesen, über­arbeiten und sicherlich vieles auch wieder verwerfen. Eine solche Arbeit ist höchst individuell, jeder Typ anders – die eine schreibt ausschweifend und umfangreich und formuliert gleich in an­spruchs­voller und angemessener Sprache; der andere tut sich eher schwer mit seinem Ausdruck und schreibt lieber erstmal (eventuell auch in Form von Notizen) seine Gedanken nieder, um Sprachliches in einem nächsten Schritt zu überarbeiten. Hilfreich ist es, sich dem Schreibstil der wissenschaftlichen Publikationen, die für die eigene Arbeit ausgewertet werden, anzunähern. Dabei gilt es, sachlich und präzise zu schreiben. Zwischenzeitlich sollte man auch immer wieder etwas Abstand von der Arbeit nehmen und sich bei nochmaligem Durchlesen vergewissern, dass man weiterhin seiner Gliederung folgt und die Ausführungen logisch aufeinander aufbauen.

Das Schreiben ist ein umfangreicher Prozess, den jede*r für sich selbst durchleben und meistern muss. Es ergeben sich immer wieder ungeahnte Schwierigkeiten. Neue Erkennt­nisse können einen Perspektivwechsel bewirken, genauso wie aktuelle Forschungsergebnisse oder etwa auch eine Änderung der Gesetzeslage es erfordern können, dass gesetzte Thesen überdacht oder überarbeitet werden müssen. Altes zu verwerfen, Selbstzweifel und Unsicherheit bezüglich so vieler Kleinigkeiten, zwischen­durch  mal "einen Knoten drin" zu haben und (fast) zu verzweifeln – das gehört alles dazu. Wegen solch kleiner (oder auch größerer) Rückschläge sollte man aber nicht den Glauben an sich verlieren!!

Wer meint, fertig zu sein: Das ist erst die halbe Miete – jetzt braucht es immer noch den letzten Schliff. Jede wissenschaftliche Arbeit sollte selbstverständlich noch einmal komplett gelesen werden (am besten wieder mit etwas zeitlichem Abstand), um sicherzustellen, dass sämtliche Ausführungen auch wirklich verständlich und stimmig sind. Familienmitglieder oder Freund*innen lesen die Arbeit sicherlich auch gern einmal, um auf etwaige (missverständliche) Textstellen mit Nachbesserungsbedarf aufmerksam zu machen.

 

Für den wirklich letzten Feinschliff empfiehlt sich ein professionelles Lektorat von cor:lingua – bei uns können die Studierenden wählen zwischen einem Basiskorrektorat, einem sprachlichen und einem wissen­schaftlichen Lektorat. Unsere Lektor*innen (mit den verschiedensten wissen­schaft­lichen Hintergründen) haben nach dem Lesen unzähliger Seminar-, Bachelor-, Master-, Diplom­arbeiten und Dissertationen die nötige Erfahrung und den erforderlichen Scharfblick für das "Feintuning" einer wissenschaftlichen Arbeit.

 

Allen Studierenden wünschen wir viel Erfolg, aber auch viel Spaß beim Schreiben der Abschlussarbeit! Wenn man erst das Ergebnis in den Händen hält, werden all die großen und kleinen Sorgen des Schreib­prozesses schnell vergessen sein.

 

Literatur

Für einen ausführlicheren Einblick in Theorie und Praxis wissenschaftlichen Arbeitens empfiehlt sich bspw. Friedrich Rost (82018), Lern- und Arbeitstechniken für das Studium [Wiesbaden: Springer]; frei zum Download erhältlich unter https://link.springer.com/book/10.1007%2F978-3-658-17626-6.