Tabuwörter in wissenschaftlichen Arbeiten

Oder auch: Warum man letztlich doch ganz schön viele Dinge beim Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit natürlich vermeiden sollte …


 

Beim Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit gibt es einiges zu beachten. Neben dem Inhalt, dem Aufbau und den Formalia muss am Ende auch die Sprache den wissenschaftlichen Anforderungen entsprechen – gewisse „Tabuwörter“ sollten zum Beispiel unbedingt vermieden werden. Einige dieser Tabuwörter sind bereits im Untertitel dieses Artikels versteckt, der nachfolgend Abschnitt für Abschnitt verbessert werden soll.

 

„man“-Konstruktionen

Sogenannte „man“-Konstruktionen gelten als ungenau und somit unwissenschaftlich, weshalb sie in wissenschaftlichen Arbeiten tabu sind, auch wenn sie an vielen Stellen passend erscheinen. Am besten werden diese durch Passivkonstruktionen ersetzt, die jedoch nicht zu kompliziert werden sollten, da sie sonst schnell unverständlich werden können. 

Der Titel könnte daher folgendermaßen umformuliert werden: Warum letztlich doch ganz schön viele Dinge beim Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit natürlich vermieden werden sollten…

 

Persönliche Fürwörter

Ähnlich wie die „man“-Konstruktionen gelten auch persönliche Pronomen als unwissenschaftlich. Vor allem bei der Formulierung eigener Thesen kann man dadurch als Autor vor Herausforderungen gestellt werden. Eine Möglichkeit der Umschreibung stellen auch hier neutrale Passivkonstruktionen dar: Statt „Ich gehe davon aus, dass…“ kann „Es kann davon ausgegangen werden, dass…“ stehen, wobei dann unklar bleibt, wer diese Aussage eigentlich trifft. In diesem Falle können Ersetzungen des Pronomens „Ich“ durch „Autor“ oder „Verfasser“ helfen, um trotzdem den eigenen Standpunkt zu verdeutlichen.

Am Ende gilt aber, was der Betreuer für angemessen hält. Wird die Verwendung persönlicher Fürwörter als in Ordnung erklärt, muss natürlich nicht alles umformuliert werden!

 

Redundante Füllwörter

Diese kleinen Wörter schleichen sich beim Schreiben leicht in einen Text ein – so auch in den Titel dieses Artikels. Letztendlich sind sie überflüssig und tragen in den meisten Fällen nichts zum Inhalt des jeweiligen Satzes bei. Vor der Abgabe einer Arbeit sollte daher unbedingt geprüft werden, ob ein Satz ohne Füllwort seinen Sinn verliert – wenn nicht, sollte das Wort gestrichen werden.

Typische Beispiele sind: allgemein, also, auch, bekanntlich, bloß, dabei, doch, durchaus, eher, einfach, einigermaßen, etwa, freilich, gar, halt, immerhin, jedenfalls, lediglich, letztlich, nämlich, natürlich, offenbar, schließlich, selbstverständlich, sicherlich, schon, sozusagen, tatsächlich, überhaupt, unbedingt, völlig, wohl…

Der Titel könnte also besser lauten: Warum ganz schön viele Dinge beim Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit vermieden werden sollten…

 

Übertreibungen und subjektive Ausdrücke

Die Verbindung ganz schön viel hat einen übertriebenen Charakter und ist daher in einer wissenschaftlichen Arbeit unangebracht, da diese den Anspruch haben sollte, objektiv geschrieben – also neutral – zu sein. Weiterhin nicht geeignet sind zum Beispiel sogar, leider, irgendwie, natürlich, einfach, extrem, enorm und massiv.

Auch subjektive bewertende Adjektive (z. B. schön, hässlich, gut, schlecht, einfach, schwer, wichtig, unwichtig) sind tabu.

Für den Titel bedeutet das: Warum Dinge beim Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit vermieden werden sollten…

 

Vage Formulierungen

Da eine wissenschaftliche Arbeit den Anspruch hat, möglichst präzise zu sein, ist für unkonkrete/schwammige Formulierungen kein Platz. Dazu zählen zum Beispiel Angaben wie ziemlich, ein wenig und ein bisschen, aber auch Substantive wie Ding oder Sache. Diese Ausdrücke sollten vermieden werden und durch konkrete Formulierungen ersetzt werden.

Ersetzt man die „Dinge“ im Titel durch das, worum es eigentlich geht – Tabuwörter – ergibt sich folgende neue Formulierung: Warum Tabuwörter beim Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit vermieden werden sollten…

 

Nachdem nun alle Tabuwörter aus dem Titel weggelassen wurden, wird deutlicher, worum es hier eigentlich geht – die Vermeidung von Tabuwörtern.