Zeitformen in wissenschaftlichen Abschlussarbeiten

Oder auch: Welche Zeitform verwende ich für welchen Teil in meiner Arbeit?


Die Verwendung der richtigen Zeitformen in wissenschaftlichen Arbeiten ist häufig unklar und kann zu Unsicherheiten und falschen Formulierungen führen. Daher geben wir im Folgenden einige Regeln und Beispiele vor, die zur Orientierung bei Unklarheiten dienen sollen.

 

Präsens

 

Der größte Teil einer wissenschaftlichen Abschlussarbeit wird im Präsens verfasst. Demnach wird

 

für die Beschreibung der Zielsetzung in der Einleitung („Ziel dieser Arbeit ist es, …“) sowie

für Definitionen, allgemeines und publiziertes Wissen („Das Französische ist eine romanische Sprache. Forscher können dies bestätigen.“) und

für Verweise auf bekannte Methoden und Verfahrensweisen („Die qualitative Forschung bildet Informationen ab, die sich nicht direkt messen lassen.“)

 

das Präsens verwendet.

 

Auch die Ergebnisse der Arbeit werden im Präsens interpretiert: „Die Untersuchung zeigt, …“

 

Präteritum/Perfekt

 

Bei gewissen Formulierungen ist jedoch die Nutzung des Präteritums oder des Perfekts sinnvoller. Dies ist beispielsweise bei der Beschreibung historischer Hintergründe der Fall: „Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte die Wirtschaft einen Aufschwung.“

 

Eine Ausnahme bildet das historische Präsens, das beim Nacherzählen einer vergangenen Geschichte verwendet wird: „Bismarck stirbt 1898 in Friedrichsruh.“

 

Auch bei expliziten Verweisen auf die Ergebnisse anderer Forscher („Mayer führte zuerst diese Befunde aus. Die Studie hat gezeigt, …“) oder der Beschreibung der tatsächlich ausgeführten Arbeitsschritte im Methodenteil („An der Untersuchung nahmen 50 Personen teil.“) ist die Verwendung einer Vergangenheitsform angemessen.

 

Im Ergebnissteil der Arbeit werden die Forschungsergebnisse ebenfalls im Präteritum oder Perfekt dargelegt: „Die Hypothesen konnten nicht bestätigt werden. Die Untersuchung hat ergeben, …“

 

Besonderheiten im Schlussteil

 

Besonders wichtig in einer Abschlussarbeit ist das Fazit, in dem direkt zu Beginn ein Rückbezug auf die Forschungsfrage im Präteritum erfolgen sollte: „Ziel dieser Arbeit war es, …“

 

Bei der Zusammenfassung der Ergebnisse muss sodann genau differenziert werden: Ausgeführte Arbeitsschritte („Die Umfrage erfolgte online.“) und genaue Ergebnisse („Die Umfrage zeigte, …“) werden im Präteritum, allgemeine Feststellungen („Demnach ist Mitarbeitermotivation von besonderer Bedeutung.“) im Präsens verfasst.

 

Der abschließende Ausblick auf weiterführende Forschungsfragen wird ebenfalls im Präsens formuliert: „An dieser Stelle empfiehlt sich eine weitere Untersuchung …. Von weitergehendem Interesse ist die Frage, …“

 

Vorsicht beim Konjunktiv

 

Der Konjunktiv sollte in einer wissenschaftlichen Arbeit nur verwendet werden, wenn man der entsprechenden Aussage kritisch gegenübersteht und Aussagen aus unwissenschaftlichen Quellen wiedergegeben werden. 

 

Zeitformen in englischen Arbeiten

 

Wusstet ihr übrigens, dass in englischen Abschlussarbeiten die zu verwendende Zeitform von der Zitierweise, nach der sich in der Arbeit gerichtet wird, abhängt? Hier haben wir euch eine Übersicht zu den Zeitformen für die drei gängigsten Zitierstile (APA, Chicago, MLA) verlinkt. 

 

Schlagwörter: Zeitform, Bachelorarbeit, Masterarbeit, wissenschaftliches Schreiben, Zeitform in wissenschaftlichen Arbeiten